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Aufzeichnung des Gesandten I. Klasse von Sonnleithner

(z.Z. Berghof)

 

Geheime Reichssache

Berghof, den 13. Mai 1944

Füh. 24/44 g. Rs.

Aufzeichnung über die Unterredung des Führers mit dem slowakischen Staatspräsidenten Tiso in Anwesenheit des Herrn Reichsaussenministers, des Feldmarschals Keitel und des Gesandten Ludin sowie des slowakischen Ministerpräsidenten Tuka, des Kriegsminister Čatloš und der Gesandten Gašpar und Cernák beim Tee im Schloss Kleissheim am 12. Mai von 17 bis 18 Uhr

Der Führer bemerkte eingangs, daß erst seit dem Ausfall Italiens der Krieg interessant geworden sei. Vorher sei alles ganz selbstverständlich vor sich gegangen sei. Vorher sei alles ganz selbstverständlich vor sich gegangen. Schon z. Z. der Besprechungen von Hendaye habe Italien Schwierigkeiten gemacht. Dort habe der Führer erfahren, daß die Italienerden Griechen ein Ultimatum stellen wollten, und er sei daraufhin nach Florenz geeilt, aber eigentlich nur noch, um dem Duce zu sagen, daß er zu spät gekommen sei, da er ihm von dem griechischen Unternehmen abraten wollte. Der Führer habe damals Sorge gehabt, daß die Engländer in Griechenland Stützpunkte bekommen würden; außerdem sei der Zeitpunkt am 28. Oktober denkbar schlecht gewählt gewesen und auch die italienischen Vorbereitungen seine mangelhaft gewesen. Von 6 Alpini-Divisionen hätten die Italiener nur eine eingesetzt.

 

Der Reichsaußenminister warf hier ein, daß dieses italienische Vorgehen uns das englisch-türkische Bündnis eingebracht habe.

Der Führer bestätigte dies und meinte, daß die Griechen sich tapferer geschlagen hätten als wir erwartet hätten. Sehr schwierig sei auch das italienische Verhalten schon 1940 gewesen, wo wir den Italienern zwei Panzerdivisionen für den afrikanischen Feldszug zur Verfügung gestellt hätten Graziani habe nur mit Schwierigkeiten eingewilligt; schließlich sei aber von uns die Ausschiffung der Panzerverbände in Tunis verlangt worden, das damals 2000 km von der Front entfernt lag, so daß die Panzer schon kaum einsatzfähig angekommen wären. Auch da habe schon Badoglio dahinter gesteckt. Auch in Albanien sei den Italienern eine Gebirgsdivision angetragen worden, was sie ebenfalls abgelehnt hätten. Das ganze Vorgehen der Italiener auf dem Balkan sei unangenehmen gewesen, denn wir hätten mit den Griechen keine Gegensätze gehabt und auch 75 bis 80% des jugoslawischen Handels hätten wir aufgenommen, so daß unser Verhältnis zu den Jugo-

Slawen gut gewesen sei. Viele Divisionen hätten wir einsetzen müssen und daher auch viele Menschen verloren. Und es wäre noch gut gewesen, wenn die Italiener sich auf eine Sache konzentriert hätten; dann hätten sie nämlich die Engländer aus Afrika vertrieben. Schließlich sei in Jugoslawien eine Clique verrückt geworden und habe behauptet, daß wir den Durchmarsch von Truppen verlangt hätten. Dies habe gar nicht gestimmt. Wir hätten im Gegenteil den Jugoslawen einen Ausgang zu Ägäis angeboten.

Als Staatspräsident Tiso sich nach Botschafter von Papen erkundigte, bemerkte der Führer, daß dieser eine schwere Aufgabe habe. Tiso bezeichnete es als merkwürdig, daß die Engländer die Türken in den Krieg hineinziehen wollten, obwohl sie doch angeblich von ihrem baldigen Sieg überzeugt seien. Auch die von den Engländern verlangte Chrom-sperre deute daraufhin, daß die Engländer noch nicht mit einem baldigen Siege rechneten.

Der Führer erwiderte, daß kein Sprichwort eine solche Berechtigung habe wie das, daß die Not erfinderisch mache. So habe man im Ersten Weltkrieg innerhalb weniger Monate das Verfahren der Gewinnung des Stickstoffes aus der Luft entwickelt. Ebenso hätten wir jetzt Stahllegierungsmittel, die Gegnern nicht bekannt seien. Überhaupt hätten sich immer Waffen gefunden, wenn ein Volk bereit gewesen sei, die Waffen zu tragen und zu kämpfen. Auch im Weltkrieg seien wir nicht am Mangel an Waffen, sondern infolge der schlechten Moral zugrundegegangen.

Tiso meinte, es ein Beweis für die innere Kraft Deutschlands, daß so viele ausländische Arbeiter in Deutschland tätig seien.

der Führer wies daraufhin, daß die große Masse der ausländischen Arbeiter ein großes Solidarität mit uns bekomme, das auf der Kenntnis unserer sozialen Maßnahmen beruhe. Dies zeigte sich immer wieder bei den Bränden nach feindlichen Luftangriffen. Selbst Engländer hätten sich in deutschen Betrieben völlig umgestellt. Sie hätten eben gesehen, daß bei uns z.B. den Kohlenarbeiter alles getan werde, während dieser in England wie ein halbes Tier behandelt werde.

Als Tiso einwarf, daß sich auch tschechische Ingenieure in der slowakischen Wirtschaft bewähren, bemerkte der Führer, daß die ausländischen Arbeiter bei uns fast keine Sabotageakte verübten. Selbst die Bevölkerung in Frankreich habe sich bei dem englischen Landungsversuch bei Dieppe auf unsere Seite gestellt. Dies sei wohl auch eine Folge davon, daß von uns schon bei der Besetzung Frankreichs strengste Befehle gegeben worden seien, alle Kulturdokumente zu schonen. Von Paris hätten wir nur einmal den Flugplatz angegriffen. Generalfeldmarschall Sperrte habe dem Führer erst vor kurzem bestätigt, daß die Angriffe gegen Paris die Franzosen gegen die Engländer wild machten. Und wenn diese Angriffe fortdauerten, würden die Franzosen jedes Solidaritätsgefühl mit dem Engländern verlieren.

Als der Reichaußenminister bemerkte, daß die französischen Arbeiter mit Stolz die deutschen Auszeichnungen trügen, bemerkte der Fphrer, daß die Franzosen zwar unsere Feinde seien, aber eben als alte Kulturnation wunderschöne Städte geschaffen hätten und daß bei deren Zerstörung noch eine deutsch-französische Solidarität gegenüber den Engländern und Amerikanern entstehen würde. Die sinnlosen Zerstörungen alter Bauwerke wie z.B. der Kathedrale von Rouen könne man sich nur aus Minderwertigkeitskomplexen unserer Feinde gegenüber der alten europäischen Kultur erklären.

Als Ministerpräsident Tuka meinte, die Italiener machten jetzt einen Ausverkauf ihrer Kulturwerte an Amerika, erwiderte der Führer, daß der italienische verrat die gemeinste Sache, die man sich denken könne, gewesen sei. Und als Resultat dieser Schandtat gäbe nun Badoglio Süditalien dem Kommunismus pries. Aber auch der Faschismus trage einen Teil Schuld; er sei sehr äußerlich geworden. Von der Führungsschicht, die leider häufig gewechselt habe, sei nur der Duce selbst der Alte geblieben. Die anderen führenden Persönlichkeiten hätten sich mit kapitalistischen Elementen eingelassen, wie Volpi und seien dann auch durch Reichtum verdorben worden. Im Gegensatz zu Italien sei der Führer jetzt noch mit den alten Leuten die schon vor 20 Jahren bei ihm gewesen seien, umgeben. Der Führer habe aber keine Schieber um sich geduldet. Im Gegenteil, er habe verhindert, daß ruhrende Persönlichkeiten wirtschaftlich interessiert seien. So dürfte niemand im Reichstag eine Aufsichtsratsstelle inne haben. Ciano z.B. sei ein armer Mann gewesen.

Der Reichaußenminister warf hier ein, daß den Grafen Volpi eine schwere Schuld treffe und daß der König und der Adel geholfen hätten, die führende Faschistenschicht zu korrumpieren und zu kaufen, was Tiso zu der Bemerkung veranlaßte, ein Politiker dürfte kein Egoist und kein Materialist sein.

Der Führer bemerkte, daß gegen ein Fest in Rom ein Fest in der Reichskanzlei natürlich eine armselige Angelegenheit sei. In Rom seine die edelsteinbeladenen Prinzessinnen wie Modepuppen aufgetreten und die Männer könne man nur als Gesellschaftsaffen bezeichnen. Die Frauen der wirklichen Faschisten, die sich mit diesem Aufwand nicht hätten messen können, seien in der Gesellschaft verschwunden oder überhaupt weggeblieben. Und dabei sei das Ganze doch so einfach; denn Genialität sei nicht an das Kapital gebunden; man könne die höchste Intelligenz eines Volkes um sich vereinen und auf den Reichtum völlig verzichten. Der Führer habe es immer so gehalten und fühle sich dabei sehr glücklich. Er habe auch seinerzeit dem Duce gesagt, wenn er nicht schon Republikaner gewesen wäre, so wäre er es nach seinem Besuch in Rom geworden; so hätte ihn dieses perlengeschmückte Hofschranzentum in der Umgebung des Königs abgestoßen. Der Duce habe es aber auch schwer gehabt. Er sei nicht Staatsoberhaupt gewesen und habe auch sein Volk falsch eingeschätzt, das sich eben nicht mehr aus alten Römern zusammensetze. Auch der König sei kein Kaiser Augustus gewesen, sondern höchstens, wie Tiso einwarf, ein Negus Augustus. Trotzdem sei der König Herr der Armee gewesen, die bewusst anders erzogen worden sei. Auch die faschistische Miliz könne man nur als schlechte Improvisation bezeichnen. Es wäre besser gewesen, wenn der Duce statt der 180 Bataillone 30 oder 40 erstklassige Bataillone gehabt hätte. Der Führer habe von seinen SS-Verbänden auch verlangt, daß sie sich bewähren und habe sie dort eingesetzt, wo es gefährlich gewesen sei. Der Führer müsse aber zugeben, daß er zwar in Italien viel Schlechtes gesehen habe, aber doch diese Tiefe des Verfalles nicht erkannt habe. Empörend sei die Behandlung des Duce gewesen, den man zwanzigjährigen Wirken für den Staat an die Feinde ausliefern wollte. Ein Italiener habe dem Führer geschrieben: Selbst wenn der Faschismus nur eine Fassade geschaffen hätte, so wäre es wenigstens eine anständige Fassade gewesen.

Der Reichsaußenminister wies darauf hin, daß durch die Auslieferung Süditaliens an den Kommunismus auch die dort stehenden englischen und amerikanischen Truppen verseucht würden.

Tiso meinte, der Kommunismus im Mittelmeerraum sei auch eine Gefahr für Spanien, worauf der Führer erwiderte, Franco habe seine Gelegenheit versäumt. Aber ihn habe der italienische Angriff auf Griechenland verhindert, sich auf unsere Seite zu stellen. Damals hätten auch die Engländer nicht Sidi-et-Barani angegriffen und ihren anschließenden Erfolg errungen, wenn die griechische Aktion nicht erfolgt wäre.

Eine Unterstützung der Spanier während des Bürgerkrieges sei aber ohne den Duce nicht möglich gewesen. So hätten wir zahlreiches Material eingesetzt, und trotz aller Schwierigkeiten den Spaniern eine Luftwaffe gegeben. Eine sehr unangenehme Situation sei auch durch den Angriff auf das Panzerschiff Deutschland 'entstanden. Die Beschießung von Almeria, wo zum erstenmal die deutschen Waffen gesprochen hätten, sei ein großes Wagnis gewesen. Damals habe dem Führer das Spiegel von Palmerston überbracht.

Auf eine Frage Tisos meinte der Führer, er glaube, daß Eden in Moskau gewesen sei, wohl um zu sagen, daß England zur Invasion noch nicht fertig sei. Tiso wies darauf hin, daß auch Eisenhower durch seinen Ausspruch, die Invasion sei keine politische, sondern eine militärische Angelegenheit, den Beginn der Invasion habe hinauszögern wollen.

Der Herr Reichsaußenminister meinte, auf das Verhalten Francos zurückkommend, daß wir für Milliarden an die Spanier Waffen geliefert hätten.

Tiso bezeichnete es als ein unschönes Verhalten von Franco, daß er keinen Vertreter des Duce akzeptiert habe und auch jetzt das neue Ungarn bei sich nur durch einen Chargé d'Affaires vertreten sehen wolle.

Der Führer betonte, daß bei stärkerer Haltung der Spanier die Engländer sofort zu Kreuze gekrochen wären und daß sie es nicht darauf hätten ankommen lassen, Spanien, und damit 20 Millionen, zu Gegnern zuhaben. Die Engländer seien die Meister des Bluffs und hätten uns schon seinerzeit bei dem Einmarsch ins Rheinland bluffen wollen.

Als der Führer hierauf die Unterredung schloß, dankte Staatspräsident Tiso für den Empfang, der ihm Gelegenheit zur Aussprache gegeben habe, und versicherte dem Führer, daß er und das slowakische Volk wissen, was Treue sei.

Sonnleithner


ADAP, E, Bd. VIII, Dokument 23.