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Aufzeichnung ohne Unterschrift

Berghof, den 28. Juli 1940

Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem Slowakischen Staatspräsidenten Tiso in Anwesenheit des Reichsaussenministers, des slowakischen Ministerpräsidenten und Außenministers, Professor Tuka, des Innenministers Mach und des Gesandten v. Killinger.

Tiso wiederholte seine zunächst telegraphisch ausgesprochene Gratulation zu dem deutschen Siege und sprach gleichzeitig dem Führer seine und des slowakischen Volkes besten Wünsche für die weitere Zukunft des Deutschen Reiches aus. Die Slowakei würde als Volk unter dem Schutze Deutschlands bleiben und gern teilnehmen an der Neuordnung Europas, so, wie sie der Führer plane. Wenn er, Tiso, dieses Bekenntnis zu Deutschland auch jetzt wieder ablege, so tue er dies, um die Stimme des slowakischen Volkes sprechen zu lassen. Denn, so laute ein Sprichwort seiner Heimat, ein stummes Kind würde selbst von seiner Mutter nicht verstanden. Die Slowakei fühle sich aber unter der väterlichen Fürsorge des Führers wohl und wolle dafür ihren Dank abstatten, indem sie zu ihrem bescheidenen Teil an dem neuen Europa bauen helfe.

 

Der Führer dankte dem Präsidenten Tiso für seine Worte. Das Deutsche Reich kämpfe im jetzigen Kriege für mehr als für seine eigene Interessen. Das alte Europa sei aber überlebt und hätte durch etwas Neues ersetzt werden müssen. Wirtschaftlich sei zwar die Kolonisation von Europa ausgegangen, aber nur zwei Staaten hätten praktisch den Nutzen daraus für sich monopolisiert. Der mitteleuropäische Wirtschaftsraum hätte keinen Teil an den kolonialen Errungenschaften gehabt, weil er gegenüber den großen einheitlichen politischen Gebilden, wie dem Britischen Weltreich, Russland, den Vereinigten Staaten, in viele einzelne Teile zersplittert sei. Trotzdem hätte gerade dieser mitteleuropäische Raum einen außerordentlichen Beitrag zur Kultur des ganzen Kontinents geliefert. Die Länder dieses Raumes, Dänemark, Belgien, Schweden, hätten alle einen erweiterten wirtschaftlichen Einfluss in der Welt nötig gehabt.

Politisch müssten die Verhältnisse auf lange Sicht in Europa geklärt werden. Denn nur, wenn man nicht mehr zu befürchten hätte, dass man jederzeit feindlichen Bombenangriffen ausgesetzt sei, könne man wirtschaftlich auf lange Frist disponieren.

Das Schicksal habe nun Deutschland dazu gezwungen, diesen Kampf um die Erneuerung Europas zu führen, und es würde ihn mit seinem Siege beenden. Bei der Neugestaltung Europas würde sich Deutschland zunächst von seinem politischen Interesse leiten lassen, das einem Schutzinteresse gleichkäme und dessen Ziel die Ausschaltung von Gefahren sei, die dem Reich etwa drohen könnten. Der Führer wies darauf hin, dass er die Beseitigung dieser Gefahren auf friedlichem, vertraglichem Wege versucht habe. Er wies im einzelnen nach, wie großzügig sein letzter Vorschlag an Polen gewesen sei, wie er aber statt eines Eingehens auf seine Gedankengänge nur Terror und Hohn geerntet hätte. Die Engländer hätten den letzten Friedensvorschlag Mussolinis vom 2. September  [1939] sabotiert, weil sie nicht zulassen wollten, dass sich die Verhältnisse in Europa konsolidierten. Deutschland aber wolle diese Konsolidierung herbeiführen. Am 6. Oktober hätten Frankreich und England erneut den Frieden angeboten bekommen. Der Amerikanische Unterstaatssekretär Welles habe bei seinem Besuch Anfang d[iese]s J[ahre]s nach dem deutschen Kriegsziel gefragt. Der Führer habe geantwortet, dass dies der Friede sei.

In diesem Zusammenhang müssten natürlich auch die wirtschaftlichen Probleme gelöst werden. Die Kolonien, die ein gekauftes Eigentum Deutschlands darstellten, müssten ihm zurückgegeben werden. Zum letzten Male habe der Führer in seiner kürzlichen Rede England die Hand hingestreckt und keine entehrenden Bedingungen von diesem Land gefordert . Da England den Frieden nicht wolle, müsse nun der Kampf ausgefochten werden; aber Deutschlands politische Ziele bestünden keineswegs in der Unterjochung anderer Völker; es wolle nur seinen eigenen Schutz sicherstellen und eine starke wirtschaftliche Zusammenarbeit mit solchen Völkern herbeiführen, die sich nach ihrer inneren Einstellung besonders zu dieser Zusammenarbeit eigneten. Ein wirtschaftlicher Zweckverband solle so gegründet werden, zu dem auch noch andere Staaten hinzutreten könnten.

Auf einzelne Länder übergehend, erklärte dann der Führer wie bereits bei den Gesprächen mit den Rumänen und Bulgaren, dass Deutschland am Balkan keine politischen, sondern nur wirtschaftliche Interessen habe und dass ihm an der Erhaltung der Ruhe und des Friedens in diesem Gebiete gelegen sei.

Was das Verhältnis zur Slowakei anbeträfe, so bestehe das politische Interesse hier in der im wesentlichen aus militärischen Gründen notwendigen Sicherung der Karpathen. Deutschland würde eine andere Großmacht nicht kampflos über die Karpathen vordringen lassen. Wirtschaftlich wolle es mit der Slowakei wie mit anderen Ländern gute Geschäfte machen. Hier betonte der Führer besonders das große Konsumvermögen Deutschlands, das ihm gestatte, auf lange Fristen nicht nur Produkte zu liefern, sondern auch zu kaufen und auf diese Weise einen militärischen Wirtschaftsblock zu bilden, der unabhängig von dem als internationaler Judenschwindel zu bezeichnenden Gold seinen Handel auf der Grundlage der Arbeit und des Fleißes der Bevölkerungen durchführe. Dazu sei die Stabilität auf politischem Gebiet eine Notwendigkeit. Der Gedanke einer unabhängigen Slowakei, der Deutschland am Herzen liege, entspreche durchaus nicht der Konzeption aller europäischen Kanzleien. In anderen Ländern spreche man demgegenüber von tausendjährigen Grenzen, von fremden nationalen Aspirationen und sozialen Problemen.

Der Führer unterstrich dann die Garantie, die Deutschland der Slowakei gegeben hat und die bei jedem Angriff auf dieses Land die deutsche Armee auf den Plan rufen würde. Es sei eine Garantie, hinter der 200 Divisionen stünden und bei der nicht etwa militärische Leistungen von dem garantierten Land gefordert würden, wie dies die Engländer täten. Als Gegenleistung verlange Deutschland, dass sich die Slowakei innenpolitisch loyal und eindeutig zur deutschen Sache bekenne. Ein Zwang würde nicht ausgeübt. Wenn die Slowakei es nicht wolle, so würde Deutschland nur die Karpathengrenze verteidigen und sich im übrigen genau so zurückziehen wie von den baltischen Staaten, die nicht einmal einen Nichtangriffspakt mit Deutschland abschließen wollten und nun die aus dieser Haltung entstandenen Folgen sicherlich bedauerten.

Der Führer beleuchtete dann die zweideutige Haltung Rumäniens im Sinne der den Rumänen und Bulgaren gemachten Ausführungen und unterstrich in diesem Zusammenhang, dass die Politik dieses Landes sowie die Haltung der baltischen Staaten ihn zu der Klärung mit Russland veranlasst habe.

Der Gedanke der deutsch-slowakischen Zusammenarbeit müsse jedoch nicht nur in der Regierung vorherrschen, sondern im Volke verankert sein. In Italien und Deutschland würden keine Zeitungen und Bücher veröffentlicht oder Reden gehalten, die in eine andere Richtung als die der deutsch-italienischen Zusammenarbeit wiesen, weil der Führer und Mussolini das Bündnis zwischen den beiden Ländern in ihren Völkern untermauern wollten. Die Versenkung der französischen Flotte durch den früheren englischen Bundesgenossen in Oran sei nur deshalb möglich gewesen, weil das englisch-französische Bündnis eine reine Angelegenheit der Regierungen, der Finanzleute, der Freimaurer und der Journalisten gewesen sei, an dem die beiderseitigen Völker keinen Anteil gehabt hätten. Im Gegenteil, die Engländer hätten auf die Franzosen herabgeblickt, und die Franzosen hätten den Engländern keineswegs sympathisch gegenüber gestanden. Das Wichtigste für zwei Länder, die zusammenarbeiten wollten, sei daher, die Völker zusammenzuführen. Dies sei der einzige Grund, warum man von Deutschland aus die slowakischen innenpolitischen Vorgänge beobachte. Die Völker dürften sich nicht auseinanderleben. Denn man müsse sich darüber klar sein, daß in Europa Kräfte am Werk seien (Juden, Freimaurer und ähnliche Elemente), die das Zusammenleben der beiden Völker hintertreiben wollten. Man müsse an dem anderen Volk die positiven Eigenschaften unterstreichen und das Gemeinsame suchen. Man müsse im eigenen Lande diejenigen Leute fördern, die eine positive Einstellung zu der Zusammenarbeit hätten, und nicht diejenigen, die sie zu untergraben versuchen. Im übrigen könne er dem Präsidenten Tiso vor dem Ministerpräsidenten Tuka und dem Innenminister Mach noch einmal die formelle Versicherung abgeben, dass Deutschland außer dem militärischen Interesse an der Karpathengrenze kein anderes Interesse in der Slowakei verfolge. Sein einziges Ziel sei, das Land und das Volk gesund und stark zu sehen und ihm eine selbständige, autonome, souveräne volkliche und staatliche Substanz zu geben. Präsident Tiso nahm diese Erklärung mit großer Zufriedenheit auf. Er könne sie bis in die letzten Buchstaben unterschreiben und würde weiter mit Begeisterung für die Zusammenarbeit der beiden Länder eintreten. Der Führer würde durch das slowakische Volk nicht enttäuscht werden.

Im übrigen bäte er, etwa auftretende Zweifelsfragen immer gleich mündlich dem Führer kurz auseinandersetzen zu dürfen, damit erst gar keine Missverständnisse entstehen könnten. Tiso kam dann auf die angebliche Hinneigung der Slowakei zu Russland im Rahmen einer panslawistischen Politik zu sprechen. Was die panslawistische Politik bedeute, habe er in den letzten 20 Jahren mit der Tschechoslowakei und Polen erlebt. Er habe nach diesen Erfahrungen nicht Lust, sich ein drittes Mal mit Russland zusammen auf ein solches Gebiet zu begeben. Außerdem gäbe es auch für ihn noch stärkste kulturelle und religiöse Hindernisse in dieser Hinsicht. Die in der Slowakei verbreiteten Flugblätter, die eine derartige Politik befürworten, bezeichnete Tiso als Machenschaften von Juden, Magyaren und Tschechen mit dem Ziel, die Slowakei bei Deutschland anzuschwärzen.

Als er auf die noch unter ungarischer Herrschaft lebenden 400 000 Slowaken zu sprechen kam, warf der RAM ein, dass er Herrn Tiso auf Anfrage erklärt habe, dass im Augenblick nicht an eine Regelung dieser Frage zu denken sei, dass vielleicht aber einmal später der Augenblick kommen würde. Er würde mit den Ungarn aber über die Behandlung der Slowaken ein ernstes Wort sprechen, nachdem er von dem von Tiso versprochenen Material Kenntnis genommen hätte.

Nach einigen Erläuterungen über die Art der deutsch-russischen Zusammenarbeit erklärte der Führer Tiso, dass er ihm jederzeit zu einer persönlichen Aussprache willkommen sei, wenn er Wünsche hätte oder ihn etwas bedrücke.

Der Führer lud anschließend die slowakischen Herren zum Tee ein, und die Unterredung fand nach ungefähr halbstündiger Dauer ihren Abschluss.


ADAP, D, Bd. X., Dokument 248.

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